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Das G3/3 mit dem C4 ... oder … das Berner Dampftramzügle

Verfasst: Sa 3. Okt 2026, 21:12
von Funkenschrauber
Hallo Forumsgemeinde.

vorweg will ich gleich mal sagen, das mir nur 3 Personen bekannt sind, die eine fahrfähige Berner Dampftram von Atlas sich gebastelt haben … einer von den Dreien ist Helmut G., dessen Dampftram man bei Youtube bestaunen kann

Die anderen beiden (in den Regionen Südharz & Stuttgart beheimatet), haben Ihre Werke hier noch nicht vorgestellt …

Alle 3 haben unterschiedliche Ansätze zur Motorisierung der Lok & bei der fahrfähigen Herrichtung der Beiwagen, verfolgt.
Vielleicht kann ich die beiden mit meinem Beitrag animieren, Ihre Werke hier mit uns noch zuteilen …

Nun aber zu meinem Werk.

Anfangs dachte ich … das kleine Ding geht mal schnell, ist ja kein so großer Aufwand wie bei einem Drehgestell-Tw … doch Pustekuchen! :shock: :shock:
Gute 2 Jahre, natürlich wieder mit Pausen drin, um Lösungsansätze für aufgetauchte Probleme zu finden, hat mich das Projekt nun beschäftigt.
Aber nun ist es vollbracht und ich möchte euch meine Bastelvariante vorstellen.

Dampftram Bern.jpg
Dampftram Bern.jpg (57.52 KiB) 38 mal betrachtet

Es war eines der ersten Modelle von Atlas, das als Geschenk vor gut 10 Jahren den Weg in meine Sammlung fand und sich als echt guter Staubsammler in der Vitrine erwies ...

Animiert von Helmut G.´s Youtubevideo wuchs in mir der Wille, auch meine Dampftram fahren lassen zu können … denn das hat kaum einer & so begann ich mit den unerlässlichenVorbildrecherchen.
Diese ergaben, das früher wohl mit mehreren Beiwagen gefahren wurde, was mir optisch sehr gefiel.
Also ran ans Werk … mit 2 Beiwagen natürlich!

Nachdem ich das Bähnle von seinem Sockel befreit hatte. Demontierte ich das Lokgehäuse, was relativ einfach ging.

Kessel und Bodenplatte.jpg
Kessel und Bodenplatte.jpg (112.61 KiB) 38 mal betrachtet
Sehr schön sieht man hier noch die Staubschichten, die das Modell sehr gerne angesammelt hat ... :lol:


So konnt ich dann die Bodenplatte mit dem drauf montierten Kessel vermessen, um einen passenden Antrieb zu suchen.
Schnell war klar, das es ein pmt´ler mit kurzem Achsstand werden würde, da der Rahmen pmt-Antriebes aus Messing gefertigt ist, was mehr Reibungsgewicht und damit mehr Zugkraft auf den Achsen bedeutet.
Der einzigste 3 achsige pmt-Antrieb für die Baugröße H0, den ich im www fand, ist der pmt 32334 für die Tschechische Rangierlokomotivenbaureihe T334.
Da mir dieser von der Bauhöhe und dem Achsstand aber nicht gefiel, entschied ich mich für den 23 mm Tramantrieb in H0m (pmt 72407).
Damit weiche also auch ich bei der Lok in der Achszahl vom Vorbild ab, was aber wegen der Fahrwerksverkleidung optisch überhaupt nicht auffällt und ich deshalb mit dem Kompromiss leben kann ...

Und schon gings ans Werk, die Bodenplatte von den Anbauteilen behutsam zu befreien und die Aussparung für den Antrieb zu erstellen.
Keine Ahnung, warum die Chinesen sich für die Verwendung dieser „Alu-Panzer-Legierung“ entschieden haben, aber ich habe mir genug die Finger verbrannt und unzählige Trennscheiben bei meiner Proxxon Micromot 60 verbraucht …
Aber irgendwann war´s geschafft und der pmt´ler konnte eingepasst & montiert werden.

Ran an die Beiwagen, um Probefahrten als Zug durchführen zu können!
Die Drehgestelle der Beiwagen wirkten auf mich sehr grob & gefielen mir nicht.
Helmut G.´s Variante, die DG´s weiter zu verwenden & mit Druckknöpfen am Wagenkasten drehbar zu befestigen, war auch nicht mein Ding …
Also ne andere Idee für die DG´s entwickeln!

In der großen Bucht bin ich dann über Drehgestelle der „würtenbergischen Bauart“ aus dem Hause Bemo gestoßen, die dem Vorbild optisch viel näher & filligraler kamen.
Als Ersatteil (Bemo 5508300) für ca 10 € das Paar, ergänzt mit spitzengelagerten Tillig-H0m-Speichenradachsen (Tillig 08890, 5 Paar für ca 40 €) war damit das Thema Drehgestellersatz schon gelöst.

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Bemo-DG vs Atlas-DG.jpg (96.79 KiB) 38 mal betrachtet
Farblich von schwarz auf grau mit schwarzem Blattfederpaket behandelt, machen die unter dem BW was schon her ...

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20240704_021604.jpg (59.02 KiB) 38 mal betrachtet
… und die ebenfalls grau gefärbten Speichen der Räder kommen auch gut zur Geltung.
Für die Befestigung der DG´s am Wagenkasten entschied ich mich für Linsenkopfschrauben mit metrischen Maschinengewinde der Größe M4.
Entsprechend wurden im Wagenboden Löcher von 4,5 mm Durchmesser gebohrt und normale M4-Muttern darüber geklebt.

Probefahrten ergaben dann, das die Befürchtungen bezüglich des kurzen 23 mm-Achsstandes des Antriebes, auf meinen Weichen & Gleiskreuzungen zu Kontaktproblemen führen könnte, zutrafen.
In vorbildsgerechter langsamer Fahrt fehlte der Lok der nötige Schwung, um nicht stromlos stehen zu bleiben …
Was nun? Projekt erstmal beiseite schieben und bei Gelegenheiten Lösungsansätze entwickeln.

Da gab es dann die Idee mit bipolaren Kondensatoren.
Während der Fahrt lädt er sich auf & auf stromlosen Abschnitten versorgt er dann den Motor für ca 1 Sekunde weiter mit Strom

Gute Idee … ausprobieren!
Die Versuche füllten so manchen Abend & brachten dann die Erkenntnis, das es möglich ist, aber der bipolare Kondensator dann so groß werden würde, das ich der Lok nen Tender hinten dran hängen müßte, um den Kondensator zu verstecken …
Damit war die Idee leider nicht umsetzbar …

Einige Modelltramfreunde ziehen gerne bei kurzen Achsständen von Triebwagen, die Beiwagen zur Stromabnahme mit heran …
Die Idee müsste sich doch nutzen lassen. Doch wie bekommt man die Kabelverbindung hin?
Und lassen sich in den DG´s mit den vergleichsweise sehr kurzen Achsständen überhaupt Radkontaktschleifer realisieren?

Mit dem ESU 50707 Radkontaktschleifer ist es machbar … das isolierende Leiterplattenstück in der Mitte raustrennen und dann nach´m anlöten von Kabeln auf´s DG kleben.
Und als Verbindung vom Bw zur Lok kam ich auf die Idee, Microstecker (RM 1.0) mit 0,3 mm Litze als lösbare elektrische Verbindung zu nutzen. Diese kann ich als Bremsluftschläuche kaschieren …

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20260716_203908.jpg (144.31 KiB) 38 mal betrachtet
… gesagt – getan …




Fortsetzung folgt ...

Re: Das G3/3 mit dem C4 ... oder … das Berner Dampftramzügle Part II

Verfasst: Sa 3. Okt 2026, 21:21
von Funkenschrauber
...weiter geht´s!


Aber nun tat sich das nächste Problem auf … “Bremsluftschläuche“ werden ja am Wagenkasten befestigt …

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20260731_192033.jpg (69.68 KiB) 36 mal betrachtet
also kommt die Mama-Buchse der Microstecker ins Gehäuse der Lok …
(gleichfalls sind die ursprünglich von mir verwendeten adaptierten sächsischen Trichterkupplungen von Modellbau-Veit zu sehen)


Und wie bekomme ich nun die elektrische Verbindung vom Wagenkasten zu Bodenplatte mit dem Antrieb hin, ohne den Durchblick am Kessel der Lok zu stören?
Kabelverbindung mit Microstecker kommt nicht in Frage, weil das Kabel siehste irgendwie immer.
Dann kam beim sonntäglichen baden in der Wanne die zündende Idee …
Du hast doch schon alles da … Radkontaktschleifer, feine Litze und Kupferbeschichtete Blanko-Leiterplatten.

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20260713_201139.jpg (159.11 KiB) 36 mal betrachtet
Auf die Bodenplatte werden an beiden Plattformenden kleine Streifen der Leiterplatten geklebt und elektrisch miteinander und dem Motor des Antriebes verbunden.

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Und in den Seiten der Lok kommen die Radschleiferkontakte passend geklebt, die dann dank ihrer federnden Eingenschaft eine stabile Verbindung elektrische Verbindung mit den Leiterplatten auf der Bodenplatte hertstellen.

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Da die Bodenplatte der Lok in das Gehäuse einrastet, können die Radschleiferkontakte nicht das Gehäuse abheben.

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… und zu sehen ist nix … nur wenn du genau hinsiehst, findest du die Konstruktion.


Nun musste nur noch der Kessel wieder seinen Platz in der Lok finden … aber so, das jederzeit das Gehäuse abgenommen werden kann, um ungehindert an Antrieb & Co zu gelangen.
Die Lösung ist ein am unteren Drittel abgesägter Kessel, damit er auf den pmt-Motor passt & eine Anpassung der Dachinnenseite des Lokkastens.

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20260731_192119.jpg (124.56 KiB) 36 mal betrachtet
Dann klebte ich den Kessel auf der Dachinnenseite ein, das er quasi knapp über´n Motor schwebt.


... Fortsetzung folgt ...

Re: Das G3/3 mit dem C4 ... oder … das Berner Dampftramzügle Part III

Verfasst: Sa 3. Okt 2026, 21:27
von Funkenschrauber
... und auf in die 3. Runde ... :lol: :lol: :lol:


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20260731_013228.jpg (98.96 KiB) 35 mal betrachtet
zu guter Letzt bastelte ich aus 0,8 mm-Sommerfeldt-Oberleitungsdraht die Sprengwerke der Beiwagen nach, was sich als ne richtige fummelei mit´n Lötkolben entpuppte.
Aber Übung macht den Meister & irgendwann hatte ich es geschafft.

Der auch zu sehende Kabelsalat unterm Wagen sollte mir noch die erfolgreiche Inbetriebnahme zum Berliner Sommerferienbeginn vermiesen.
Die Abschlußprobefahrten verliefen ernüchternd.
Zum einem machten die eingebauten Trichterkupplungen von Modellbau-Veit Probleme.
Plötzlich hebelten sich die Wagen über dies gegenseitig aus´m Gleis.
Zum anderen hemmte der Kabelsalat unter den Beiwagen die DG´s in ihrer Drehfähigkeit, was bei auf Abzweig befahrenen Weichen ebenfalls zu Entgleisungen führte.

Also zurück in die Werkstatt & überarbeiten …

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20261001_034219.jpg (87.56 KiB) 35 mal betrachtet
Die Kupplungen tauschte ich gegen Magnetkupplungen aus dem Hause dmb (über den Dresdner Modellstraßenbahnclub beziehbar).
Zierlich, detailliert & nicht so plump wirkend wie die von Halling (Geschmackssache!)

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20261001_033050.jpg (66.54 KiB) 35 mal betrachtet
Die Kupplungsdeichsel musste ich auf der Lokseite noch kürzen, damit ein harmonisches Bild im gekuppelten Zustand entsteht.
Den Kabelsalat überarbeitete ich auch nochmal.
Dabei fügte ich Microstecker zwischen Drehgestell & zentrale “Verteilerstelle“, wobei ich auf mehr freibewegliche Kabelflexibiltät achtete … so lassen sich bei Bedarf die DG´s problemlos ausbauen.

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20261001_033102.jpg (99.28 KiB) 35 mal betrachtet
kleine Vierkantmuttern als zusätzliches Gewicht eingeklebt, erhöhen die Kontaktsicherheit an den Radschleifern …


Finale gibt´s im 4. Teil ...

Re: Das G3/3 mit dem C4 ... oder … das Berner Dampftramzügle Part IV

Verfasst: Sa 3. Okt 2026, 21:34
von Funkenschrauber
... nun das Finale ... Versprochen!

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20261001_032906.jpg (80.73 KiB) 31 mal betrachtet
So überarbeitet verliefen die erneuten Abnahmeprobefahrten diesmal zufriedenstellend.

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20261001_032838.jpg (67.84 KiB) 31 mal betrachtet
Mit den Bemo-DG´s, den Magnetkupplungen, den nachgebauten Sprengwerken, Loklaternen auf beiden Seiten & den “Bremsluftschläuchen“ macht der Zug einen ganz passablen Eindruck

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20261001_032940.jpg (111.71 KiB) 31 mal betrachtet
Natürlich ist ein echter Zweirichtungsbetrieb möglich.
Beide Beiwagen verfügen über die Stromaufnahmeinrichtung.
Jeweils der erste Bw hinter der Lok wird zur zusätzlichen Stromaufnahme heran gezogen.





Endlich ist mein Tippmarathon beendet & bin nun gespannt auf euer Meinungsbild.
Ich hoffe, das meine "Monsterbilder" euch nicht wieder erschlagen haben ... ich übe bei der Bildgröße noch immer.



Micha
der Funkenschrauber in 1:87 & 1:1

Re: Das G3/3 mit dem C4 ... oder … das Berner Dampftramzügle

Verfasst: Sa 3. Okt 2026, 22:09
von Spreeathener
Hallo

@Micha: Großartige Arbeit und Danke für's mitnehmen auf den Weg vom ausgepackten Standmodell zur betriebsfähigen Modelltram.
Dein Gedanke, 'das kleine Ding geht schnell' ist nachvollziehbar. Auch deinen langen Weg mit Kreativpausen für die nächste Idee kann ich besonders gut nachvollziehen. Da lachen einen diese fast fertigen Standmodelle aus der Schachtel ewig an. Und kaum setzt man sich dran um sie schnell in Bewegung zu bringen, schon fangen die Herausforderungen an. Besonders gut finde ich deine herangehensweise, alles möglichst austauschbar im Schadensfall zu erstellen. Das reduziert deutlich den Frust, wenn wirklich mal was defekt ist und man dann nicht alles kaputt machen muss, um es zu reparieren.
Und deine Lösung mit der elektrischen Verbindung WaKa-Bodenplatte...Danke! Da habe ich eine neue Lösung für eine Herausforderung, die mich schon länger umtreibt. Frage noch dazu, hast du die Kontakte jeweils doppelt ausgeführt, oder nur einmal pro Seite?

Viel Spaß beim Basteln
Stefan

Re: Das G3/3 mit dem C4 ... oder … das Berner Dampftramzügle

Verfasst: Sa 3. Okt 2026, 23:06
von Funkenschrauber
Guten Abend Stefan,

Danke für das Lob!
Ich möcht versuchen, das mehr Hobbyfreunde den Mut finden, kreative Lösungen zu finden & uns hier teil haben zu lassen.
Nun zu deiner Frage ... ich glaube, das Bild beantwortet deine Frage ...

20260713_194526.jpg
20260713_194526.jpg (111.65 KiB) 6 mal betrachtet
Im Wagenkasten hab ich an beiden Plattformenden die Kontakte verbaut und beide Polseiten mit ner Schleife jeweils im Wagenkasten und auf der Bodenplatte verbunden.
So sollte immer noch eine elektrische Verbindung bestehen, wenn z.B. ein so'n Kontakblättchen abbricht ...
Freut mich, wenn ich schon wieder jemanden auf den Lösungsansatz für ähnlich gelagerte Herausforderungen gebracht habe.

Gruß Micha
der Funkenschrauber in 1:87 & 1:1